Breitungen

Kirchengemeinde Breitungen

Das romantisch im Südharz gelegende Dorf Breitungen bis vor zwanzig Jahren als ein Zentrum des Obstanbaus. Riesige Kirschplantagen wurden bewirtschaftet. Zudem war der Ort immer Anziehungspunkt für Harzurlauber und Touristen. In heutiger Zeit werden viele der Kirschbäume nicht mehr gepflegt, da der Anbau nicht mehr lohnend ist. Auch der Tourismus hat sich stärker in den Hochharz verlagert. Dennoch ist Breitungen mit seinen rund 400 Einwohnern bis heute ein sehenswerter Ort mit einer langen Geschichte, die vom Heimatverein immer wieder in Erinnerung gerufen wird. Prägend für das Dorfbild ist die St. Arnold-Kirche, das Zentrum der evangelischen Gemeinde, die rund 70 Mitglieder noch hat. Monatlich finden Gottesdienste statt, im Winnter im kommunalen Gemeinderaum, im Sommer in der Kirche. Ebenfalls monatlich sind alle Gemeindeglieder und Bewohner zu einem Gemeindenachmittag eingeladen. Neben den normalen Gottesdiensten stellen der Kirmes-Gottesdienst am 3. Septemberwochenende, das Erntedankfest und der Weihnachtsgottesdienst mit jeweils mehr als 150 Besuchern Höhepunkte des kirchlichen und des kommunalen Gemeindelebens dar.
Die Kirche St. Arnold ist nicht nur der örtliche Mittelpunkt, sondern Identifikationspunkt für den ganzen Ort. Als in den Jahren bis 2004 in mehreren Bauabschnitten Dach, Turm und Innenraum saniert wurden, haben sich auch viele Ortsbewohner für die Kirche eingesetzt, die dem christlichen Glauben zwar distanziert gegenüber stehen, aber das Kirchgebäude als Teil ihrer Heimat ansehen.

Die St. Arnold-Kirche Breitungen

Ausführliche Informationen zur St. Arnold-Kirche von Breitungen finden sie auf der Unterseite „Kirche St. Arnold

Die Maurer-Orgel

Die heutige Kirche St. Arnold in Breitungen ist als Neubau im Jahr 1831 angefangen wurden, da die bisherige, an einem anderen Platz gelegene Kirche, zunehmend baufällig wurde. Die Kirchweihe erfolgte 1834. In den Jahren danach verfolgte die Kirchengemeinde und der Breitunger Bürgermeister das Ziel, noch einen großen Altar und eine herausragende Orgel einbauen zu lassen, um die damalige Bedeutung Breitungens als eines aufgrund Bergbau und Landwirtschaft reichen Ortes angemessenen darstellen zu können. Für den Orgelbau wurde der damals bekannte Orgelbaumeister Maurer aus Kölleda für eine Bausumme in Höhe von neunhundertdreißig Talern gewonnen. Diese Höhe dieser Summe wird dadurch deutlich, dass die gesamte Kirche inklusive Glocken, Sitzbänken und Emporen nur ungefähr den vierfachen Wert gekostet hat. Doch als im Jahr 1847 die Orgel abgenommen wurden, entstand laut Gemeindechronik ein Streit über die Ausführung, so dass nach einem Gerichtsprozess dem Orgelbauer ein Teil dieser Summe abgezogen wurde.
Die Maurer-Orgel ist eine mechanische Schleifladenorgel mit zwei Manunalen und Pedal, die von ihrem klanglichen Aufbau eine große Nähe zur Orgelwerkstatt Strobel in Bad Frankenhausen erkennen lässt. In Ihrer Disposition und in der technischen Anlage besitzt die Orgel einige Besonderheiten: Sie besitzt viele Holzregister und hat damit einen differenzierten Grundstimmenbereich.
Die Hauptbedeutung der Orgel, die eigentlich für eine Dorfkirche deutlich überdimensioniert wirkt, liegt im Originalzustand des gesamten Pfeifenwerkes. Abgesehen von den Prospektpfeiffen, die für Kriegszwecke 1917 ausgebaut wurden, und dem um 1910 angebauten Orgelmotor ist sie nahezu unverändert seit 160 Jahren. „Dies ist ein Glücksfall für die Orgellandschaft“ (Orgelsachverständiger Detlef Ochs). Eine derart ursprünglich erhaltene Orgel des 19. Jahrhunderts in einer Dorfkirche hat im Südharz keine Parallelen. Darum hat sich Kirchengemeinde entschlossen, in zwei Etappen in den Jahren 2012/13 und 2015/16 die Orgel zu sanieren. Diese Sanierung wurde durch den Orgelbaumeister Georg Wünning aus dem Erzgebirge, der vor einigen Jahren bereits die Orgel der Bennunger Kirche restaurierte, in einer fachlich ausgezeichneten Art und Weise durchgeführt.

Pfarrer in Breitungen

Prägend für das kirchliche Leben in Breitungen waren immer die jeweils zuständigen Pfarrer. Bis zur Reformation waren für die Messe und die Amtshandlungen meist Mönche aus den Klöstern der Umgebung eingesetzt, die teilweise auch in den Orten wohnten. Bald nach dem Beginn der Reformation in der Grafschaft Stolberg um 1525 wurde allmählich begonnen, in den Orten der Grafschaft evangelische Prediger einzusetzen und für ihre Versorgung bestimmte Geldsummen zur Verfügung zu stellen oder Ländereien zu stiften. Wie die Versorgung des ersten evangelischen Pfarrers in Breitungen, Valentin Schlegel, organisiert war, lässt sich heute nicht mehr feststellen, doch spätestens im 17. Jahrhundert erfolgte die Bezahlung über die Einkünfte des Pfarrlandes, das auch teilweise durch den Pfarrer selbst und seine Familie bewirtschaftet wurde. Aus dem Jahr 1817 überliefert der Chronist Leopold in seiner Kirchen-, Pfarr- und Schulchronik das Recht des Breitunger Pfarrers am Bauerngraben: „Gewöhnlich steht dieser Ort voll Wasser, und alsdann benutzt ihn die Gemeinde zu Roßla und besetzt ihn mit Fischen. Bisweilen trocknet er aus im Frühjahr, alsdann besamt ihn der Pastor von Breitungen ungedüngt und erntet 25-35 Schock Gerste darinnen.“
Das Recht zur Besetzung der Pfarrstelle oblag immer dem Grafen zu Stolberg bzw. nach der Erbteilung 1706 dem Grafen zu Stolberg-Roßla. 1738 dann war in Roßla ein eigenes Konsistorium (=Kirchenverwaltung) aufgebaut, das bis zu seiner Auflösung 1987 für Breitungen zuständig war. Prägend für das kirchliche Leben im letzten Jahrhundert war insbesondere Pfr. Johannes Hegel, der insgesamt 43 Jahre als Pfarrer amtierte und zugleich manchen medizinischen Rat gab. Sein Nachfolger, Pfr. Ganzert, war der letzte Pfarrer, der im Breitunger Pfarrhaus wohnte, da seine Nachfolger Breitungen von Dittichenrode (bis 1990) und von Roßla (seit 1990) aus betreuten.

Nr.     Name    Zeitraum
1       Valentin Schlegel    1567 – 1572
2        Philipp Meerbothe    1572 – 1589
3        M. Christoph Horn    1589 – 1592
4        Albert Schaube    1595 – 1626
Andreas Wichmann
5       Andreas Grüling    1626 – 1663
6        Michael Erasmus Justi    1664 – 1683
7        Johann Franke    1683 – 1698
8        M. Gerhard Daniel Grützmann    1698 – 1742
9        Gottfried Martin Kocker    1742 – 1754
10       Johann Gottlieb Küster    1754 – 1794
11       Johann Wilhelm August Lotze    1795 – 1799
12       Friedrich Heinrich Anton Wallroth    1800 – 1813
13      Johann Ehrenfried Günther    1813 – 1837
14      Friedrich Hoffmann     1838-1868   (29 Jahre)
15      Karl Eduard Dietrich    1868-1901  (33 Jahre)
16       Pfr. Huth     1901-1912   (11 Jahre)
17       Johannes Hegel     1912-1955  (43 Jahre)
18       Friedrich Wilhelm Ganzert    1957-1968   (11 Jahre)
19       Lutz Blume     1968-1974  (6 Jahre)
20       Bernd Bochmann     1975-1980  (5 Jahre)
21       Joachim Breithaupt     1981-1990  ( 9 Jahre)
22       Lutz Jünger     1990-2007   (17 Jahre)
23       Dr. Folker Blischke     seit 2007

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