Marienstift

Überblick

Singen im Marienstift

Wer am Donnerstagvormittag durch das Erdgeschoss des Marienstifts geht, kann schon von weitem kirchliche Lieder hören: Gemeinsames Singen aus dem Gesangbuch ist ein wichtiges Element in der Andacht, die immer um 10:00 Uhr stattfindet.
Natürlich wird im Marienstift nicht nur bei der Andacht gesungen, es erklingen immer wieder bekannte Volkslieder. Bei der Andacht aber werden Lieder aus dem Kirchengesangbuch gesungen. Dabei mache ich immer wieder die Beobachtung: Fast alle Bewohner im Marienstift kennen die bekannten Gesangbuchlieder. Diese Lieder haben die Kindheit in den dreißiger, vierziger oder fünfziger Jahren geprägt. Auch wenn sie dann teilweise über Jahrzehnte hinweg nicht mehr gesungen wurde, sind sie immer noch präsent. Dazu kommt eine für mich oft überraschende Textkenntnis. Viele Bewohner können die ersten Strophen der bekannten Lieder vollkommen auswendig – besser, als es viele Jüngere könnten. Und auch wenn nur wenige eine so tragende Stimme wie z.B. Herr Wings, Frau Müller oder die Geschwister Petow haben, sehe ich immer wieder an den sich bewegenden Lippen, wie fast alle „mit dem Herzen“ mitsingen und sich an Texten und Melodien freuen.
Im heutigen evangelischen Gesangbuch stehen über 500 Lieder, von denen ungefähr 50 Lieder zu den „bekannten“ gehören, die wir in den Andachten singen. (Angela Heisig kennt fast alle Nummern auswendig.) Aus den Gesprächen und den Wünschen für die Geburtstagslieder kann man daraus eine Art „Top 5“ feststellen. Zu diesen beliebtesten Liedern gehören „So nimm denn meine Hände“ und „Jesu geh voran“. Beide Lieder sind so genannte Trostlieder, die Halt und Kraft gerade in schweren Zeiten schenken. Oft gesungen werden außerdem die beiden Danklieder „Großer Gott wir loben dich“ und „Lobe den Herren, den mächtigen König“. Beide Lieder drücken die Dankbarkeit aus, die viele empfinden, wenn sie an ihr Leben, und an ihre Familien denken. Das fünfte Lied dieser allerbeliebtesten Lieder ist das Naturlied „Geh aus mein Herz und suche Freud“. In den jeweiligen Kirchenjahreszeiten wie Erntedank, Advent, Passion oder Ostern gibt es darüberhinaus natürlich noch weitere sehr gewünschte Lieder.

Für mich selbst gehört das gemeinsame Singen immer zu den wirklich schönen Erfahrungen, auf die ich mich schon an jedem Donnerstag freue!  Pfr. Folker Blischke

Andacht im Marienstift

Jeden Donnerstag um 10:30 Uhr ist im Marienstift Andachtszeit: Von allen Wohnbereichen kommen die Bewohner – jeder ist herzlich willkommen. Die Andacht ist ein Baustein, der die christliche Ausrichtung des Hauses zeigt.
Doch was geschieht eigentlich bei einer Andacht?  Das Wort „Andacht“ kommt von „an etwas denken“ – und wir denken gemeinsam an Gott. Diese wöchentliche Andacht beginnt nach einer Begrüßung mit einem gemeinsamen Gesangbuchlied. Danach steht eine bekannte Geschichte aus der Bibel im Mittelpunkt. Als Pfarrer für Roßla, für einige der umliegenden Orte und auch für das Marienstift halte ich dazu keine Predigt wie im Sonntagsgottesdienst, sondern erkläre den Text mit einfachen und anschaulichen Worten. Grundgedanke ist dabei, dass die bald zwei Jahrtausende alten Bibelgeschichten auch für die besondere Lebenssituation im Marienstift eine Bedeutung haben. Danach singen wir wieder gemeinsam ein Lied und beten das Vaterunser. Insgesamt dauert die Andacht ungefähr 30 Minuten – eine gute Zeitspanne, ohne dass es langweilig wird.


Bis vor vier Jahren fand die Andacht in einem Gruppenraum im Backstein-Altbau statt, wo aber bald der Raum nicht ausreichte. Dann zogen wir in den Wohnbereich 1 und saßen in einer großen Runde im Aufenthaltsbereich zusammen. Seit dem der Erweiterungsbau fertig gestellt ist, können wir den großen und hellen Mehrzweckraum im Erdgeschoss ganz hinten für die Andachten nutzen, wofür nicht nur ich als Pfarrer, sondern auch alle Andachtsgänger dankbar sind.

Zur Zeit kommen meist um die 40 Bewohnerinnen und Bewohner zur Andacht, manche selbstständig, andere mit Rollstuhl. Auch wenn die geistige Kraft der Teilnehmer sehr unterschiedlich ist, so verbinden doch gemeinsame Texte wie das Vaterunser oder das Glaubensbekenntnis und bekannte Lieder wie „So nimm denn meine Hände“ oder „Großer Gott wir loben dich“ die ganze Andachtsgemeinschaft. Ich selbst bin immer wieder stark beeindruckt, wie gut und textsicher mancher mitsingen kann! Ich selbst freue mich immer auf die wöchentliche Andachtsgemeinde am Donnerstag im Marienstift – auf die trotz vieler Krankheitslast fröhliche Runde! Pfarrer Dr. Folker Blischke

Marienstift

Die evangelische Gemeinden der Region sind eng mit dem Marienstift in Roßla verbunden.

Die Marienstiftung in Roßla wurde 1880 durch Graf Botho zu Stolberg-Roßla zum Gedenken an den frühen Tod seiner Frau Gräfin Frederike Clementine Marie begründet. ie Gräfin, Patenkind des Kaiser Wilhelm I., verstarb im Alter von gerade mal 20 Jahren an den Folgen der Geburt ihrer Tochter im März 1880.

Der noch heute genutzte Altbau wurde in den Jahren 1890 – 1892 mithilfe des beträchtlichen hinterlassenen Vermögens der jungen Gräfin und Zuwendungen ihrer Eltern erbaut. Die Baukosten für das Marienstiftsgebäude wurden mit 95.000 Reichsmark veranschlagt. s wurde in den Anfangszeiten als Armenhaus und Hospiz sowie bis 1964 als allgemeines Krankenhaus genutzt und bis zum Umbau 1987 in ein Alters- und Pflegeheim befand sich in dem Gebäude eine Fachklinik für Augen- und HNO-Krankheiten.

Der Neubau mit 48 Pflegeplätzen wurde 1999 eröffnet. Im Jahr 2000 folgten sechs weitere Pflegeplätze sowie ein Jahr später acht altersgerechte Wohnungen im umgestalteten Altbau.

Im Jahr 2011 wurde ein weiteres Gebäude an die ehrwürdigen Marienstiftung angefügt. Drei Hauptgründe haben den Vorstand bewogen, das finanzielle Risiko eines erneuten Anbaus einzugehen: Das bisherige, teilweise im Altbau von 1886 und teilweise im Neubau aus den neunziger Jahren befindliche Alten- und Pflegeheim kam mit 51 Betten immer wieder an seine Kapazitätsgrenzen, so dass nicht jeder aufgenommen werden konnte. Zudem ist immer wieder das Fehlen von ausreichend Einzelzimmern wahrgenommen wurden. Und drittens ist im Alltag des Hauses oft der Mangel an größeren Gemeinschaftsräumen für Be-schäftigungen und die wöchentliche Andacht aufgefallen, da die Speiseräume immer wieder umgeräumt werden mussten.
Auf zwei Etagen, die sich direkt an die unteren beiden Stationen anschließen, sind nun 19 Einzelzimmer und zwei große und helle Ge-meinschaftsräume von 80qm errichtet wurden. Die Station auf der 3. Etage erhält zudem auf dem Dach des Neubaus eine große Terrasse.Als Vorstand sind wir sehr dankbar, dass der Anbau, der hohe Investitionen erforderte, endlich gelungen ist.

Weitere Informationen zum Pflegeheim unter www.marienstift-rossla.de.

Vor 50 Jahren ins Marienstift….

In diesem Jahr feiert Schw. Helga Behrendt ihr Goldenes Jubiläum in Roßla: Im Jahr 1962 ist sie nach einer Ausbildung als Katechetin in Thale und als Krankenschwester in Halle vom Diakonissenmutterhaus Cecilienstift Halberstadt in das evangelische Krankenhaus Marienstift in Roßla geschickt wurden. Das Marienstift wurde damals gemeinsam durch das Cecilienstift Halberstadt und das Schniewindhaus in Schönebeck personell und inhaltlich getragen. Mit Schwester Helga können wir noch drei ehemaligen Cecilienschwestern zu ihrem Goldenen Roßla-Jubiläum gratulieren: Nach einer Ausbildung in Genthin kamen 1960 Schw. Ilse Gebler und 1961 Schw. Bärbel Landmann aus Niederorschel nach Roßla, 1964 wurde Schw. Gisela Kopf (Schönwalde/Altmark) ins Marienstift geschickt. Lange Jahre bis zu ihrem Ruhestand waren alle vier von ganzem Herzen für die Patienten da – mit einem Einsatz, der man rückblickend nur bewun-dern kann. Von Herzen dankbar sind wir, dass Schw. Helga, Ilse Gebler, Bärbel Landmann und Gisela Kopf bis heute das evangelische Gemeindeleben herzlich und zupackend prägen. Glückwunsch zum 50-Jährigen Jubiläum!


Vordere Reihe von links: Schw. Gretel Meyer (Schniewindhaus=SH), Hr. Pietzschke (Hausmeister), Schw. Anita Zimmermann (SH), Schw. Helga Behrendt, Fr. Edeltraut Kuhnhold, ??, Schw. Christa Köhler (Cäcilienstift), Oberin Schw. Gisela Hegermann, Schw. Gudrun Kaden (SH), Schw. Bärbel Czerwinski
Hinten von links: Dr. Krischok, Sup. Ernst, Dr. Zimmer, Fr. Franke, Dr. Reuter, Angelika Pietschke (Küche), Hr. Fischer, Fr. Bastrick (Wäscherei), Fr. Koch, Schw. Gisela Kopf, Fr. Sack, Schw. Irene Sperk, Schw. Christa Böttcher (SH), Schw. Maria Wehlmann (SH), Dr. Spindler, Schw. Bärbel Landmann (beim Foto-Termin leider nicht dabei: Schw. Ilse Gebler)