Wolfsberg

Der Ort Wolfsberg

Der Ort Wolfsberg ist ein beschauliches, kleines Dorf im Harz mit heute noch ungefähr 115 Einwohnern. Kommunal gehört Wolfsberg seit 2005 zur Stadt Sangerhausen, die allerdings 22km entfernt liegt – wie alle etwas größeren Orte in deutlicher Entfernung liegen: Harzgerode im Norden ist rund 25km entfernt, Roßla im Süden ungefähr 17km. Diese abgeschiedene Lage auf der Harzebene hat nach der Wende manche Probleme mit sich gebracht, als die LPG als Hauptarbeitsgeber aufgelöst wurde. Heute gibt es in Wolfsberg in dritter Generation ein Sägewerk, darüber hinaus aber keine weiteren Arbeitsplätze. Eine gute Verbindung gibt es mit den umliegenden Dörfern Breitenbach, Horla und Rotha. Einkaufsmöglichkeiten oder Gaststätten gibt es nicht mehr – sondern nun noch zwei gleichsam „öffentliche“ Institutionen: Die Kirche und das Wolfsberger Waldbad, das von einem Dorfverein mit Hingabe betreut wird. Die Wolfsberger Kirche ist deshalb für den ganzen Ort unabhängig von Kirchenmitgliedschaft das Symbol für Zusammengehörigkeit. Verschiedene dörfliche Aktionen wie das immer am 23. Dezember stattfindende Weihnachtsfest haben darum ihren Ort in und an der Kirche. Zwischen dem Ortsbürgermeister Udo Lucas und dem Ortsgemeinderat gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Pfarrer und Gemeindekirchenrat.

Kirchengemeinde Wolfsberg

Die Kirchengemeinde Wolfsberg gehört mit den Kirchengemeinden in Horla, Rotha und Breitenbach zu einer gemeinsamen Gemeinde „St. Nicolai“ zusammen, die ungefähr 160 Mitglieder hat. In Wolfsberg selbst gehören noch 37 Einwohner zur Kirchengemeinde, was über 35% des Orts sind. Dieser für Sachsen-Anhalt außerordentlich hohe Wert zeigt, wie eng Kirche und Ort verbunden sind. Pfarramtlich wird Wolfsberg mit vom Pfarramt Roßla betreut. In der Kirche finden neben den schon genannten Dorfaktionen im Sommer und zu Weihnachten monatlich ein Gottesdienst und in unregelmäßigen Abständen Konzerte statt. Im ehemaligen Pfarrhaus trifft sich ebenfalls monatlich mit dem Pfarrer der Gemeindenachmittag, zu dem zwischen 10 und 15 Frauen kommen

Kirche St. Marien in Wolfsberg

Da die Ersterwähnung des Ortes Wolfsberg auf das Jahr 1199 zu datieren ist, entstand der Ort Wolfsberg vermutlich im 12. Jahrhundert unterhalb der gleichnamigen Burg auf dem so genannten „Schlossberg“, von der heute fast keine sichtbaren Reste mehr vorhanden sind. Im 13. Jahrhundert wird eine der heiligen Maria gewidmete Kirche bzw. Kapelle genannt, wobei historisch unklar ist, ob sich diese auf dem Schlossberg oder am heutigen Platz der Kirche befunden hat.

Spätestens ab 1400 befand sich die Kirche aber wie heute in der Dorfmitte. Die Mauern der heutigen Kirche entsprechen zumindest bis in Höhe der Fenster genau den Maßen dieses gotischen Kirchbaus. Da Wolfsberg ursprünglich zu den Besitzungen der Grafen zu Stolberg gehörte, wurde mit der Einführung der Reformation in der Grafschaft in den Jahren zwischen 1540 und 1555 auch das evangelische Bekenntnis in Wolfsberg eingeführt. Die Liste der evangelischen Pfarrer in Wolfsberg beginnt nachweisbar mit dem Pfarrer Salomon Pellio im Jahr 1574. Das evangelische Bekenntnis wird dann baulich im 1676 eingebauten Altar und in der neuen Kanzel sichtbar.

Veränderung der Kirche: Aufgrund der Mauerwerksschäden wird dann 1704 während der Regierungszeit des Stolberger Grafen Jost-Christian eine Sanierung der Kirche begonnen: Das Fenster an der Ostseite wird vermauert, neue Fenster werden bei neu umfassten gotischen Fensteröffnungen an der Nord- und Südwand eingebaut. Hatte die Kirche ursprünglich keinen Kirchturm, wird nun ein Turm aufgesetzt und ein Fachwerkanbau an die Westseite gebaut. Im Inneren werden die Emporen eingezogen, damit auch eine Orgel ihren Platz finden kann. Aufgrund der Stolberger Erbteilung gehört Wolfsberg seit 1719 dann zum Gebiet der Grafschaft Stolberg-Roßla, die ihren Sitz in Roßla hatte. Unter den Roßlaer Grafen wurde die Sanierung dann mit der Errichtung eines neuen Dachstuhls und der Dachneueindeckung sowie mit dem Einbau der hölzernen Tonne 1722 beendet.

Heutige Kirche: Die heutige Wolfsberger Kirche St. Marien entspricht wesentlich ihrem gotischen Grundriss mit baulichen Veränderungen der Zeit von 1704-1722. Es ist eine hübsche, kleine Saalkirche, deren Mauern aus dem 14./15. Jahrhundert stammen, während die innere Gestaltung aus der Zeit des Umbaus Anfang des 18. Jahrhunderts stammt. Bauhistorisch stellt die Wolfsberger Kirche so einen wirklichen Glücksfall dar, der die Kontinuität zwischen dem gotischen Mittelalter und der Neuzeit einprägsam darstellt. Im größeren Umkreis von Wolfsberg ist allein die gotische Kirche in Questenberg ein ähnliches Beispiel einer klassischen Dorfkirche, deren Form seit über 7 Jahrhunderten erhalten blieb. Besonders eindrücklich für diese Verbindung der Jahrhunderte ist die gotische Sakramentsnische hinter dem barocken Altar.

Baulicher Zustand: Die kleine Kirchengemeinde Wolfsberg hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, ihre Kirche zu erhalten. In einem ersten großen Sanierungsschritt wurde der Turm von seiner Fachwerkstruktur saniert und neu mit Schiefern gedeckt. Das Ziffernblatt wurde neu eingebaut und die Bronzeglocke aus dem 15. Jahrhundert erhielt ein neues Joch. Auch der Vorraum der Kirche im Turm ist innen erneuert. Im Jahr 2016 ist es dann gelungen, den Dachstuhl mit seinem Ringanker zu sanieren und die Kirche mit traditionellen Tonziegeln in „Harzer bunt“ zu decken. Im Jahr 2018 konnte in den Vorraum eine beheizbare Winterkirche eingebaut werden. Große Sorgen macht nun die Außenhülle: Mauerrisse, offen Fugen des Sandsteinfundaments und starke Putzschäden. Insbesondere der Umstand, dass sich hinter dem kaputten Putz das Wasser sammelt, macht eine Sanierung wirklich notwendig.